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MUN-Wochenende auf Schloss Bittelsbrunn

Dezember 21, 2013

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Konstanzer Studierende simulieren die UN

„During a reconnaissance mission over ROK-territory in the Yellow Sea a McDonnell-Douglas F-4 Phantom II of the ROK-Air Force was shot down by North Korean Air Defense Forces at 07.32 am local time…”
Kurzum: Krise! Diese Meldung der Yonhap News Agency erreichte die UN-Delegierten bereits zu Beginn ihrer Sondersitzung. Eigentlich sollte auf Schloss Bittelbrunn in angemessenem Ambiente eine Sondersitzung der Vereinten Nationen zum Konflikt auf der koreanischen Halbinsel stattfinden. Delegationen von überall her fanden ihren Weg nach Bittelbrunn bei Engen, um gemeinsam den lange schwelenden Konflikt zwischen Nord- und Südkorea zu lösen. Doch niemand hatte damit gerechnet, dass sich die Situation beinahe stündlich verschlimmerte. Schnelles Eingreifen war demnach gefordert! Die Delegierten, die die United Nations Association Konstanz e.V. jedes Jahr zu drei großen UN-Simulationen entsendet, wurden auf dem Vorbereitungswochenende direkt ins kalte Wasser geworfen und merkten schnell, dass es gar nicht so einfach ist, sich zu einigen – auch wenn man, wie auf dem MUN-Wochenende geschehen – eine Krise „nur“ simuliert.
Große Nationen aus dem UN-Sicherheitsrat, Schurkenstaaten, Länder, die man besser als Krisenherde bezeichnen könnte, Wirtschaftsmächte und Mediatoren hatten sich versammelt, um dem Korea-Konflikt ein für alle Mal den Garaus zu machen. Leichter gesagt als getan, denn die verschiedenen Länder verfolgten völlig unterschiedliche Interessen. Da war es gar nicht so einfach Allianzen zu schmieden und Verbündete zu finden. Während der „general debate“ und den zahlreichen „moderated caucus“ versuchten die Delegierten im Plenum aufeinander einzuwirken, diskutierten miteinander, bekräftigten befreundete Staaten oder warfen Gegnern die eine oder andere Untat vor.

Richtig zu Sache ging es aber erst im „unmoderated caucus“: Hier formierten sich die Allianzen, einzelne Delegationen trafen sich im Hinterzimmer und diskutierten. Die Großmächte – unter anderem China, die USA und Russland – versammelten sich meist abseits um ihre Differenzen zu beseitigen. Dieses Unterfangen gelang nur bedingt und deshalb wurde schnell deutlich, dass ohne die kleineren Staaten kein Konsens möglich war. Währenddessen waren ebenjene kleinen Staaten nicht untätig und formten selbst eine Allianz. Als neutrale beziehungsweise unbeteiligte Staaten, allen voran die Schweiz, verlangten sie ein Friedensabkommen zwischen Nord- und Südkorea sowie die nukleare Abrüstung. Zudem sollte der Friedensprozess zwischen den Konfliktparteien von den neutralen Staaten überwacht werden.
Fleißig wurde an „working papers“ geschrieben, um den Krisenherd zu beruhigen, es wurde diskutiert, beraten, erörtert, dementiert, beratschlagt und verhandelt – stundenlang und bis in den Abend hinein. Wären die Delegierten nicht mit ausreichend Kaffee und Cola versorgt gewesen, hätte wohl kaum einer diesen Tag überstanden. Immerhin einigten sich die beiden Lager zunehmend und aus den anfangs noch unvollständigen „working papers“ entstanden nach und nach Resolutionen.
Den kleinen Staaten gelang es, sich bei den „Big Players“ Gehör zu verschaffen und ihr Anliegen in der Resolution der USA, Frankreich und einiger anderer Westmächte unterzubringen. Auf der anderen Seite fand Nordkorea vor allem in Kuba einen engagierten Fürsprecher und dank wohlwollendem Einlenken in einigen Punkten unterstützte auch China die Resolution Nordkoreas. Demnach gab es zwei Resolutionen, über die es am Samstagabend nach kräftezehrenden Debatten abzustimmen galt. Die von Nordkorea initiierte Resolution scheiterte sang- und klanglos – trotz mächtiger Fürsprecher wie China und der leidenschaftlich argumentierenden kubanischen Delegation.
Bei der Abstimmung der zweiten Resolution unter der Schirmherrschaft der USA kam es hingegen zu einer Überraschung: Die libanesische Delegation brachte einige Änderungsanträge ein, die einen Großteil der Delegationen zufrieden stellte und die Resolution wurde erfolgreich verabschiedet. Die Freude bei allen Beteiligten war daraufhin groß – und das nicht nur, weil nach einem zwölf-Stunden-Tag endlich das wohlverdiente Abendessen wartete!

Später ließen die Delegationen das erfolgreiche Wochenende gemeinsam ausklingen, ganz im Sinne des interkulturellen Austauschs. Die afrikanischen und südamerikanischen Länder, auch wenn sie auf den ersten Blick unwichtig erscheinen, taten sich bei den Social Events am Freitag- und Samstagabend besonders hervor – sie feierten ausgelassen die friedliche Einigung und die verabschiedete Resolution. Und so ging es für alle Delegationen am Sonntag müde aber glücklich und mit vielen neuen Freundschaften und Erfahrungen zurück in die Heimat.

Bericht: Heike Czopiak

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