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UN- Simulation am MUN Wochenende in Achdorf

Dezember 7, 2012

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Krise auf der koreanischen Halbinsel! Nordkorea deklariert seinen Alleinanspruch auf die Repräsentation des Volkes und will eine Wiedervereinigung erzwingen, nordkoreanische Truppen marschieren in die entmilitarisierte Zone ein. Südkorea fordert internationale Unterstützung an und droht mit einem Gegenschlag. Es ist fünf vor zwölf und dringend Zeit für eine Sondersitzung der Vereinten Nationen: im hochmodernen Kongresszentrum Franziskusheim in Achdorf nahe der Metropole Blumberg wird eine Entspannung des Konfliktes gesucht. Beim Vorbereitungswochenende des Konstanzer MUN Vereins lernen die ambitionierten zukünftigen Delegierten von WorldMUN, PICSim und PIMUN die elementaren Grundlagen einer jeden UN Simulation hautnah kennen.

Big Players, Schurkenstaaten, Vermittler und aufstrebende Wirtschaftsmächte sind bei der Konferenz vertreten, Fronten bilden sich an einigen Stellen schnell, andere Teilnehmer beobachten zunächst und spielen erst später ihren Trumpf aus. Es wird diskutiert, gefordert, unterbrochen, polemisiert, eifrig Nachrichten geschrieben und viel Tee getrunken. Keine Frage: es geht heiß her.

Dabei wird großen Wert darauf gelegt, die Regeln des Verfahrens (rules of procedure) tatsächlicher UN Sitzungen einzuhalten. Selbstverständlich wird nur Englisch gesprochen. Die Vorsitzenden, beide erfahrene und kompetente Hochschulgruppenleiter, werden nicht müde, Delegierte zu ermahnen, wenn diese wieder einmal in der ersten Person von sich sprechen statt für ihr Land. Wer dringenden Bedürfnissen nachgehen will, muss einen „point of personal privilege“ einbringen, um den Raum verlassen zu dürfen. Versteht man ein Verfahren nicht, kann mit einem „point of parliamental inquiry“ nachgefragt werden. Wer ein zwischenzeitlich aufgekommenes Thema im Speziellen diskutieren oder sich mit seinen Alliierten über mögliche Resolutionsentwürfe beraten will, schlägt eine moderierte oder freie Sondersitzung vor („moderated“ oder „unmoderated caucus“), in der sich die Delegierten im Plenum oder außerhalb des Tagungsraumes austauschen können. Und davon gibt es nicht zu wenig: ist eine Lösung in greifbare Nähe gerückt und die ideologischen Lager haben sich gefestigt, trudeln Meldungen ein, die das Geschehen sofort wieder auf den Kopf stellen. War von Anfang an Nordkorea der „böse“ Aggressor, beschießt laut Nachrichtendienst bald auch Südkorea den Gegner mit nur dürftigen Begründungen.

Je länger die Konferenz anhält, desto stärker wachsen die Teilnehmer in ihre Rollen hinein. Bald lautet die Frage: Intervention oder nicht? Der amerikanische Delegierte verfechtet Freiheit und Demokratie (und die Rolle der USA als Weltpolizei), Japan unterstütz ihn dabei, Russland hält dagegen, China stärkt Nordkorea den Rücken, Iran und Vietnam sind prinzipiell gegen amerikanischen Kulturimperialismus. Dabei gibt es auch einige Überraschungen: die eher unbeteiligten und weltpolitisch unwichtig erscheinenden afrikanischen Länder sind am Ende der entscheidende Faktor für eine Mehrheitsbildung, die nötig ist, um eine Resolution ins Plenum einzubringen. Am Sonntagmorgen ist es dann soweit: das westlich-demokratische Bündnis hat es geschafft, die „Afrikaner“ sowie das machthungrige Brasilien den chinesischen Drohungen zum Trotz mit wirtschaftlichen und machtpolitischen Anreizen auf seine Seite zu ziehen und mit knapper Mehrheit eine Resolution zu verabschieden. Beide Koreas sollen ihre kriegerischen Aktionen einstellen und mit einem UN-Vermittler Verhandlungen aufnehmen, wobei die Möglichkeit zur Intervention nicht ausgeschlossen bleibt.

Diese Resolution war Ergebnis eines langen und kräftezehrenden Verhandlungsprozesses. Jedem der Delegierten ist klar geworden: eine MUN-Konferenz ist mehr als ein entspannter Debattierclub. Sie ist eine Herausforderung die einem viel abverlangt, etwa sich präzise und diplomatisch geschickt auf Englisch auszudrücken und vor allem, sich in die Rolle des zu vertretenden Landes und seine Interessen ganz hineinzuversetzen.

Doch auch das fröhliche Miteinander sollte nicht zu kurz kommen, und so ist das Wochenende nicht nur eine intensive Vorbereitung auf die Konferenzen, sondern auch eine Zeit, in der sich Freundschaften knüpfen und wir viel Spaß miteinander haben.

Am Sonntag ging es schließlich wieder heimwärts Richtung Konstanz – eine bunte Vielzahl neuer Erfahrungen, Selbsterkenntnis und Vorfreude auf den Ernstfall im nächsten Jahr im Gepäck.

 Bericht: Friederike Strub

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